Jetzt bin ich also dran mit einem Text. Vorzeitig und hastig. Wir haben ja diese Challenge, Christoph und ich: Ein Jahr lang jede Woche ein Posting, eines er, eines ich. Spontan ausgemacht. So, wie man spontan sagt: Ja, lass uns mal gemeinsam nach Grönland fliegen, Wale retten. Oder am Wochenende mal ganz relaxed den Eurojackpot knacken, einfach so, weil das doch eine sehr gute Idee wäre und irgendjemand müsse es ja machen. Und damit wir beide diese champagnerlastige Schnapsidee auch ganz gewiss wieder vergessen haben werden, sollte die Challenge erst am 1. Januar ganz chilly losgehen. Okay, versprach ich Christoph hoch und heilig und mit den obligatorisch gekreuzten Fingern hinterm Rücken: Klar, da simmer dobei, dat is prima! 🙂

Ich hatte mich also nicht weiter mit dieser doch etwas abstrusen Vorstellung beschäftigt, der Welt 104 Ergüsse von uns aufzudrängen. Wer will das schon lesen? Wer braucht sowas? Und vor allem: Was hab ich davon außer großem Stress, der meine bisher perfekte und ausgeglichene Beziehung stark gefährden wird, ich dadurch immer nachhaltiger dem selbstgebrannten Birnenschnaps meines Vaters zusprechen werde in der Hoffnung, wenigstens hier etwas Gehaltvolles zu entdecken, und einem Provider, der uns mangels messbaren Traffics dieses Blog schleunigst wieder zumacht: Ressourcenschonung, wie er sagt und worin ich ihn natürlich nur unterstützen kann.

Aber Christoph ist halt anders. Verlässlicher. Für ein einmal gegebenes Wort tatsächlich einstehend. So… unverbesserlich rechtschaffen.   

Und zu allem dieser vielen Überflüsse musste er vor Kurzem frühmorgens und völlig unvorbereitet wahren Leichen beim Müsliessen im Hotelfrühstücksraum zusehen. Klar, das war kein appetitlicher Anblick zwischen Erdbeermarmeladen-Croissant und Chai-Morgen-Latte, die den armen Menschen da morgens zugemutet wurde. Zum Gruseln. Grüne Schlappen zum Frühstück!

Also schüttelte er präcox diese Woche schon einen bemerkenswerten Text aus dem Trainingsjackenärmel. Nur, um mich ebenfalls leichenblass zu sehen: Die Challenge startet jetzt schon? Noch vor dem ersten Schneefall? Ich hab doch noch gar nicht, ich weiß doch noch nicht, ich bin doch noch so jung…! Wozu denn auf einmal die Eile – lass uns wenigstens auf WordPress 5.0 warten. Oder auf einen männlichen CDU-Chef. Oder darauf, dass die SPD wieder bei 30 % liegt. Es gibt doch wichtigere und dringendere Dinge, seien wir doch ehrlich…

Aber nun ist die Challenge angepfiffen. Nun gibt es kein Zurück. Nun läuft der Zeitstrahl unerbittlich Richtung Morgen. Das Dilemma der Thermodynamik: Ist sie erst mal mit im Spiel, läuft alles nur noch in eine Richtung. Richtung Ende. Und das ist eigentlich ein ganz versöhnlicher Gedanke, ganz Kanzlerinnen-like: Man muss die Challenge von ihrem Ende her denken. Und weil das visionär und zukunftslüstern und lösungsorientiert und einfach sooo 2020 ist, freu ich mich jetzt einfach mal drauf. Wird schon schiefgehen.

 Schönen 2. Advent! 

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