In meiner Kindheit und Jugend habe ich dem Theater und der Kultur gefrönt. Will sagen: meine Eltern haben dann doch Wert darauf gelegt, dass kulturelle Bildung nicht völlig an mir vorbeigeht. Später habe ich dann selber recht viel und gerne Theater gespielt und einmal bei einer viel gelobten Anatevka-Produktion mitgewirkt.

In der darauffolgenden Zeit fehlte entweder das Geld oder die Zeit, um das Kulturelle, jenseits von ein paar Ausstellungsbesuchen, zu huldigen. Als Student fehlte das Geld, denn Oper, Theater und Co. sind teuer – zumindest wenn sie an größeren Häusern stattfinden. Danach fraß „die Karriere“ viel Zeit und danach die Kinder. Die sind nun so groß, dass sich Oma und Opa auch mal drum kümmern können und so nimmt das kulturelle Leben langsam wieder Fahrt auf. Will sagen: der ein- oder andere Theaterbesuch ist möglich.

Leider scheint meine Abstinenz dazu geführt zu haben, dass es noch genau zwei Varianten von Inszenierungen gibt.

  1. Die naturalistische Inszenierung. Sie findet sich vor allem dort, wo der Schwank daheim ist und es gilt Wirts- und Bauernstuben nachzustellen. Möglichst wirklichkeitsgetreu. Alternativ findet man diese Form der Inszenierung auch bei Musicals die wahlweise das Leben Wolfgang Petrys, Udo Lindenbergs oder Spidermans nachzeichnen. Quasi Kino in Live. Für ein Publikum, dass auf das bewährte Hollywood-Gefühl auch im Theater nicht verzichten möchte.
  2. Die moderne Inszenierung. Verzichtet auf alles, was das Auge des Zuschauers auch nur am Rande ablenken oder erfreuen könnte. Das Bühnenbild ist spärlich bis nicht-existent, die Schauspieler suhlen sich quasi dauerhaft in ihren riesigen Emotionen und bringen das durch Schreien, Brüllen, Quitschen, Johlen und sonstige animalische Ausdrucksmöglichkeiten auch ständig zum… nun ja… Ausdruck. Dabei sind sie meistens nackt, oder teils nackt oder bemalt. Nie tragen sie realistische Kleidung. Die Sprache ist modern. Und modern bedeutet, in der Interpretation vieler Theaterregisseure, wohl vor allem: vulgär. Bei diesen Inszenierungen wird das Publikum gefordert. Theater darf kein Spaß sein. Alles muss in Frage gestellt werden. Alles was Spaß macht muss weggelassen werden.

Gefühlt gibt es zwischen Variante 1, der musical-lischen Volksverdummung und Variante 2, der verdummten Intellektualität ein paar Weniger für ein paar Wenige, nicht viel. Nämlich? Theater mit Anspruch, das aber gleichzeitig Spaß macht. Durch schöne Kostüme, herausragende Bühnenbilder, natürlich agierende Schauspieler und einer zeitgemäßen Inszenierung, die der Tatsache Rechnung trägt, dass es auch heute noch Farben, Formen, Klamotten und Momente gibt, in denen Menschen ihre Emotionen nicht bis ins Letzte nach außen kehren.

„Dann mach´s doch besser“, sagen Sie jetzt!

Mal schauen. Auf jeden Fall habe ich mich daran gemacht und adaptiere geraden einen der – aus meiner Sicht – besten deutschen Filme überhaupt als Theaterstück. Ohne jegliche Erfahrung. Mal sehen was draus wird. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Schönen Tag!

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